Unsere sozialarbeiterische Haltung und Arbeitsweise

Wir begegnen den Menschen in der Prostitution/Sexarbeit mit einer akzeptierenden und wertschätzenden Haltung. Dabei sehen und erkennen wir ihre vielfältigen individuellen Lebensgeschichten und Bedürfnisse an. Jede*r ist bei uns willkommen, genauso wie sie*er ist - unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität, Aufenthaltsstatus, Herkunft oder Religion. 

Unsere Beratung ist individuell, bedürfnisorientiert und ergebnisoffen. Gemeinsam arbeiten wir an Lösungen, die zu den Lebensrealitäten und Wünschen unserer Klient*innen passen - in ihrem Tempo, mit Geduld und Respekt. Dabei ist es uns wichtig, vorhandene Ressourcen und die Selbstwirksamkeit unserer Klient*innen zu erkennen und zu stärken. So entsteht Raum für neue Perspektiven und konkrete Handlungsmöglichkeiten. 

Wir handeln nach dem Empowerment-Prinzip, das  wir als partnerschaftlichen Prozess auf Augenhöhe verstehen, der die Selbstbestimmung unserer Klient*innen stärkt. Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet für uns, Menschen darin zu unterstützen, eigene Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Wir begleiten sie dabei, ihre Lebenssituation aktiv zu gestalten ohne Lösungen vorzugeben oder Entscheidungen abzunehmen.

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass nicht alle Menschen die gleichen Chancen haben. Viele Menschen, die in der Prostitution/Sexarbeit arbeiten, sind mehrfach strukturell benachteiligt.  Sie stehen beispielsweise häufiger unter sozioökonomischen Druck, sind stärker von Gewalt betroffen und sehen sich nicht selten mit bürokratischen und rechtlichen Hürden konfrontiert. Neben gesellschaftlicher Stigmatisierung und Diskriminierung haben sie häufig keinen Zugang zu regulärer Gesundheitsversorgung, da viele von ihnen nicht krankenversichert sind. Diese Faktoren erhöhen ihre Verwundbarkeit und schränken sie entsprechend in ihren Handlungsmöglichkeiten ein.

Uns ist wichtig, diese strukturellen Benachteiligungen anzuerkennen, ohne zu entmündigen und gleichzeitig die individuellen Ressourcen und Stärken unserer Klient*innen in den Mittelpunkt zu stellen, ohne dabei deren soziale Ungleichheiten auszublenden.