prostitution/

prostitution
in deutschland


khara-woods-112433-unsplash.jpg
 

Wie Prostitution in der Literatur dargestellt wird, hängt sehr stark von der Haltung der Autoren zu diesem Thema ab. Zusätzlich gibt es kaum aktuelle wissenschaftliche Daten über die Situation in Deutschland, was die Darstellung erschwert. Es existiert in Deutschland keine Zahl, die aussagt, wie viele Frauen* in der Prostitution tätig sind. Der Bundesrat spricht von 150.000 – 700.000 (2017, S. 1) , andere Schätzungen gehen von bis zu 1.000.000 Männer und Frauen in der Prostitution in Deutschland aus (Schwarzer, 2013, S. 8 / Stracke, 2018, Min. 5). Dagegen sprechen Kavemann und Steffan von 64.000 - 200.000 und bezweifeln einen Anstieg dieser Zahl (2013, S. 2).

Mit Einführung des Prostitutionsgesetzes 2002 wurde Prostitution nicht mehr als sittenwidrig deklariert. Daraufhin war es für in der Prostitution tätige Frauen möglich, ihren Lohn einzuklagen und wie andere Arbeitnehmer/innen Zugang zu einer Sozialversicherung zu bekommen (Domentat, 2003, S. 11). Das Gesetz sollte die Kriminalität verringern, Arbeitsbedingungen verbessern und Prostitution als sexuelle Dienstleistung etablieren (Stracke, 2017, Min. 6). Diese Entkriminalisierung löste einen starken Zuwachs im Prostitutionsgewerbe aus, sodass Deutschland mittlerweile von einigen Experten als Bordell Europas bezeichnet wird (Stracke, 2017, Min. 2, 7).

Bestärkt wurde diese Entwicklung zudem durch die EU-Osterweiterung 2004 und 2007. Seit der Grenzöffnung kommen viele Osteuropäerinnen, meist aus der Volksgruppe der Roma, aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland, da sie in ihren Heimatländern durch die Diskriminierung ihrer Volksgruppe keine Chancen auf Ausbildung oder Arbeit haben. Sie suchen diese in Deutschland und nehmen aufgrund fehlender Möglichkeiten Jobs im Niedriglohnsektor und in der Prostitution an (Howe, 2015, S. 29f). Dies trägt zum Wachstum dieser Bereiche bei. Laut einer Studie von 2007 kamen damals 60% der sich Prostituierenden aus dem Ausland (TAMPEP, 2007, S. 6). Vier Jahre später bestätigt dies eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) und bemerkt sogar einen Zuwachs. 73% der Frauen in der Prostitution in Deutschland haben einen Migrationshintergrund (RKI, 2011, S. 3). In der letzten Zeit zeigen Studien, dass aktuell um die 90% der Personen in Prostitution in Deutschland einen Migrationshintergrund haben (e.g. Polizeipräsidium München 2017: 62f.).

Durch die direkte Kommunikation mit den Frauen in Prostitution und den Informationen von anderen Organisationen im selben Arbeitsfeld, haben wir herausgefunden, dass diese Frauen eine marginalisierte Gruppe sind. Sie sind somit anfälliger für Bedrohungen, die sehr häufig in der Prostitution vorkommen. Betroffen sind besonders Individuen, die unsicher, ungebildet, verarmt, ungeschützt, nicht informiert, unzufrieden, missbraucht, süchtig, ausgebeutet und manipuliert sind und/oder übersehen werden. Meistens führen mehrere Faktoren sowie Alternativlosigkeit dazu, dass Frauen gefährdet sind, in die Prostitution einzusteigen. Wenn Frauen in der Prostitution sind, stoßen sie oft auf erhöhte Bedrohungen und benötigen gute Bewältigungsfähigkeiten, um diese überwinden zu können. Bewältigungsfähigkeiten können z. B. die eigenen finanziellen Mittel, ein stabiles soziales Netzwerk, Bildung oder die individuelle Anpassungsfähigkeit sein.

Leider besitzt nicht jeder ausreichende Bewältigungskompetenzen, wodurch es zu negativen und schädlichen Auswirkungen kommt.

Hier kommen wir dazu!

* Zur Klarheit möchten wir hier anmerken, dass wir der Einfachheit halber hauptsächlich von Frauen in der Prostitution schreiben, da dies mit ca. 95% den Hauptteil der Prostituierten in Deutschland darstellt. Natürlich wollen wir damit Männer und Transsexuelle nicht ausschließen und merken dies aus diesem Grund hier an. Jeder, ganz gleich welchen Geschlechts, ist bei uns willkommen.

Wenn diesbezüglich Fragen bestehen, können Sie gerne Kontakt mit uns aufnehmen. Wir freuen uns auf Sie!


  1. Bundesrat (2017).(Hrsg.). Verordnung über die Führung einer Bundesstatistik nach dem Prostituiertenschutzgesetz. Drucksache 375/17. Köln: Bundesanzeiger.
  2. Schwarzer, A. (2013). Vorwort. In A. Schwarzer (Hrsg.), Prostitution - Ein deutscher Skandal: Wie konnten wir zum Paradies der Frauenhändler werden? (S. 7-13). Köln: KiWi-Taschenbuch.

  3. Stracke, C. (2018). Deutschlands Sexindustrie: Das Milliardengeschäft mit der Prostitution [Dokumentation]. Mainz: Zdf.info. Zugriff am 18.01.2018. Verfügbar unter: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/deutschlands-sex-industrieprostitution-102.html

  4. Kavemann B. & Steffan E. (2013). Zehn Jahre Prostitutionsgesetz und die Kontroverse um die Auswirkungen [Elektronische Version]. Aus Politik und Zeitgeschichte, 63(9), 9–15.

  5. Domentat, T. (2003). „Laß dich verwöhnen“. Berlin: Aufbau-Verlag.

  6. Stracke, C. (2017). Bordell Deutschland: Milliardengeschäft Prostitution [Dokumentation]. Mainz: Zdf.info. Zugriff am 22.01.2018. Verfügbar unter: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/bordell-deutschland-milliardengeschaeft-prostitution-102.html

  7. Howe, C. (2015). Prostitution im Quartier - Entwicklungskonzepte für eine Gestaltung im Öffentlichen Raum. In M. Albert & J. Wege (Hrsg.), Soziale Arbeit und Prostitution. (S. 27-56). Wiesbaden: Springer VS.

  8. TAMPEP - European Network for HIV/STI Prevention and Health Promotion among Migrant Sex Workers (2007). National Report on HIV and Sex Work: Germany. Amsterdam: o.V.

  9. Robert Koch Institut. (Hrsg.).(2011,13.-14. Dezember). Workshop des Robert Koch-Instituts zum Thema STI-Studien und Präventionsarbeit bei Sexarbeiterinnen [Bericht über den Workshop]. Berlin: Herausgeber.

  10. Polizeipräsidium München (2017): Sicherheitsreport 2016. Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2sydwyj.